Fragende, skeptische die manchmal schon "bist Du noch ganz normal???" auszudrücken scheinende Blicke erntete ich des Öfteren als ich erzählte, dass ich mir eine Plattenwaschmaschine bauen wollte. Aber das kennst Du sicherlich auch, wenn Du diese Seite aufgesucht hast - oder hast Du Dich nur hierher verirrt?

Zumindest möchte ich allen an meinen Erfahrungen Teil haben lassen, die sich nicht scheuen ab und an eine Platte aufzulegen, daran interessiert sind den "besten" Klang rauszuholen und das nötige Kleingeld für eine Plattenwaschmaschine nicht haben (oder nicht ausgeben wollen).

Angefangen hat alles als ich bei www.vinyl-lebt.de vorbeisurfte und dort über den "Cheap Thrill" las - was ich natürlich sofort ausprobieren musste. (An dieser Stelle herzlichen Dank an Holger.) Ich erzielte damit auch recht gute Ergebnisse - aber als ich mir dann durch diese Methode irgendwie bei einer neu erworbenen Platte mehr Knistern und Knackser eingefangen hatte stellte ich dieses Prinzip in Frage und kam zu dem Schluß, dass es nur daran lag den "Sabbel" rückstandsfrei von der Platte wegzubekommen. Was mit den Microfasertüchern ja schon recht gut ging - aber es musste was Besseres her.

Da holte ich mir Anregungen bei Karsten. Bei weiterer Recherche sah mir das ganz nach einem Nachbau von "Keith Monks" aus. Ich war von der Idee fasziniert und machte mich gleich auf die Suche nach dem Herzstück - eine Vakuumpumpe. Nach diversen Fehlversuchen bei eBay kam ich auf die rettende Idee - eine Staubsauger* ist doch nichts anderes wie eine Vakuumpumpe - oder?

Also hatte ich alle Bauteile (alten Schallplatten-Spieler hatte ich eh noch vom "Cheap Thrill", Marmeladenglas findet man überall, Spitze meiner Entlötpumpe, etwas Schlauch und Faden besorgt) beisammen und fing an zu basteln.

 

Das ganze funktionierte recht gut - aber eben alles von Hand. Nach genauer Betrachtung einer originalen Keith Monks bei einem Besuch der High End kamen dann noch einige Verbesserungen hinzu. Und hier ist nun die halbautomatische Plattenwaschmaschine:

Und wie funktioneirt das Ganze?

Nun zuerst wird die Reinigungsflüssigkeit (ich nutze 75% destilliertes Wasser, 25 % Alkohol und einen Tropfen antistatisches Netzmittel: TETENAL Mirasol 2000 Antistatic) aufgebracht und mit einem Microfaser-Tuch oder Karbonbürste bei laufendem Motor (oder wenn zu schwach von Hand) die Flüssigkeit verteilt und die Rille gereinigt.

Zur Absaugung ist an der Saugspitze (Entlötpumpenspitze) ein dünner Schlauch angebracht. Dieser wird entlang des Tonarms zu einem Auffangbehälter (Marmeladenglas) gebracht. Ein zweiter Schlauch führt wieder hinaus an dem dann der Staubsauger hängt. Im oberen Bild ist links unten das Ende des Staubsaugerschlauches zu sehen. Um das ganze luftdicht zu bekommen habe ich mit selbstvulkanisierendem Isolierband den Übergang von Staubsaugerspitze zu dünnem Schlauch geschaffen.

Nun schaltet man den Staubsauger ein und setzt die Saugspitze vorsichtig auf die äußere Rille auf. Diese wird von einem Faden immer im gleichen Abstand von der Platte gehalten. Ein weiterer Faden, der an der Spitze angebracht ist wird über einen direkt auf der Achse des Tellers aufgeklebten Draht einmal umwickelt (auf den richtigen Drehsinn muss geachtet werden), dann weitergeleitet über eine "Umlenkrolle" (Büroklammer) und als Massegewicht einfach hängen gelassen. (Im ersten Bild sieht man an der Seite des Tisches einen silbrigen Fleck - das Gewicht). Diese Konstruktion sorgt dafür, dass die Saugspitze bei drehendem Teller langsam über die Platte gezogen wird. Dabei ist natürlich der Durchmesser des aufgeklebten Drahtes sehr wichtig. Wird der Durchmesser zu groß, so wird die Saugspitze zu schnell bewegt und es bleiben nasse "Spiralen" übrig.

Weitere Details:

- Da der Anpressdruck durch das Vakuum auf der Plattenoberfläche und zusätzlich das Massewicht für den Transport der Saugspitze zu einer starken Skating-Kraft führt, benötigt man auch eine dementsprechende Anti-Skating Kraft. Diese wurde realisiert durch ein einfaches Gummiband.

- Der Faden, der den präzisen Abstand zwischen Saugspitze und Platte gewährleistet unterliegt einem Verschleiß. Um ein Aufsetzten der Saugspitze zu vermeiden wird bei einer originalen Keith & Monks der Faden nachgeführt. Dazu wird eine Fadenrolle auf die Achse eines Motores gesetzt, der sich in der Stunde vier mal dreht. Diese Spielerei habe ich mir verkniffen. Die Rolle sitzt einfach ganz passiv und ich ziehe vor jeder Wäsche den Faden - der übrigens durch den Tonarm geführt wird - um ein paar Millimeter von Hand nach.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Häfler, dessen kreativen Ideen mir schon während unseres Studiums willkommen waren.

 

*Der Staubsauger wurde inzwischen durch eine "richtige" Vakuumpume ersetzt. Der Staubsauger kann zwar viel Luft saugen - aber entwickelt nicht genug Kraft für ein Vakuum. Meine Vakuumpumpe erreicht jetzt einen Unterdruck von -80 kPa.

 

Da Vakuumpumpen einen recht hohen Lärmfaktor haben, wurde meine in ein Holzkasten verbannt. Nun kann man während des Plattenwaschens noch Musik hören :-)

Im Bild auch gut zu sehen ist das "neue Marmeladenglas" und im Stromkabel habe ich einen Fuß-Schalter eingebaut um das ganze komfortabel zu bedienen.


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